Corona-Pandemie: Das Virus kostet

Zu Jahresbeginn ahnte in der EU kaum jemand, dass ein historischer Stresstest auf unsere Gesellschaft und auf unsere Gesundheitssysteme zurollen würde. Nun, ein knappes halbes Jahr später, wissen wir mehr. Die Coronakrise wirft ein grelles Schlaglicht auf Stärken und fatale Schwächen im Umgang mit einer weltweiten gesundheitlichen Katastrophe. Bilder aus Wuhan, aus Bergamo in Italien, aus Kliniken in Spanien oder Frankreich, haben sich eingeprägt, Bilder überlasteter Gesundheitssysteme mit hohen Verlusten an Menschenleben.
 

GESUNDHEITSSYSTEM: ERSTE BEWÄHRUNGSPROBE BESTANDEN

Die Situation völliger Überforderung ist uns in Deutschland bislang erspart geblieben, dank unseres vergleichsweise
guten Gesundheitswesens. Auch gelang es, nach anfänglichem Zögern, dennoch einen gewissen Vorsprung bei der Vorbereitung auf das sich rasant ausbreitende Virus zu gewinnen. Momentan blickt das deutsche Gesundheitswesen auf eine kontrollierbare Infektionslage mit vergleichsweise geringeren Todesfällen.
Zu verdanken haben wir das alle den „systemrelevanten“ Kräften, allen Pflegenden, aber auch Ärzten, Wissenschaftlern und Verwaltungen. Der Erfolg hat seinen Preis: Alle Kapazitäten und Investitionen, die hohe Zahl bereitstehender Intensivbetten
und Beatmungsplätze in Krankenhäusern, die Bereitschaft der Leistungserbringer, sich auf die heranrollende Viruswelle zu konzentrieren und z.B. planbare Operationen zu verschieben, die Ausweitung des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Sonderregelungen für ambulante Praxen, Apotheken, Heil-Hilfsmittelanbieter und Reha-Einrichtungen kosten Geld, viel Geld.

MASSNAHMEN, DIE KOSTEN

Bundestag und Bundesrat verabschiedeten hierfür im Schnellverfahren ein umfangreiches Maßnahmenpaket. Gesundheitsminister Spahn änderte seit März dieses Jahres mehr als 10 Gesetze und Verordnungen. Gesetze wie das „COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz“, das Gesetz zum „Sozialschutz-Paket“, das „Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“, das „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz und Strafverfahrensrecht“ oder das „Gesetz zur Errichtung eines Wirtschaftsstabilisierungsfonds“ und das „Nachtragshaushaltsgesetz 2020“ verschafften in der Akutsituation schnell den nötigen Handlungsspielraum. Vieles davon bringt für Patienten wichtige Vereinfachungen und Erleichterungen. Aber sie bedeuten für die Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auch immense Kosten, die gemeinsam geschultert werden müssen: Zusätzliche Ausgaben für 2020 von rd. 122,487 Milliarden Euro sollen helfen, das Gesundheitssystem zu stärken – und zugleich die unvermeidlichen Folgen des „Lock-Downs“ für Wirtschaft, Unternehmen und Beschäftigte in Deutschland zu mildern.

 

 

Anselm Lotz, Vorsitzender der Arbeitgeber im IKK BB Verwaltungsrat sagt dazu: „Um diese Krise als Unternehmen zu überstehen, ist es wichtig, die Hilfsangebote der Bundesregierung zu nutzen, um somit nach dem Lockdown schnell wieder in Fahrt zu kommen. Nur mit intakten Betrieben können wir gemeinsam ins gesellschaftliche Leben zurückkehren, Arbeitsplätze retten und die Wirtschaft stabilisieren. Gerade kleine und mittlere Unternehmen werden gebraucht, damit sie unter schwierigsten Bedingungen weiter oder wieder arbeiten, ausbilden und unsere Zukunft sichern helfen.“

HOHE VERANTWORTUNG

Die IKK BB schaut aus gleich drei Blickwinkeln auf das Geschehen: als Krankenkasse für die Versorgung ihrer Versicherten und Patienten, als regionaler Arbeitgeber mit rund 540 Mitarbeitenden und als Kostenträger für die beitragsfinanzierten Ausgaben während der Pandemie. Auch die IKK BB wechselte daher in den Krisenmodus: So tagt z.B. regelmäßig ein interner Krisenstab, der für den Schutz der Versicherten und die Arbeit der IKK-Mitarbeitenden während der Pandemie verantwortlich ist. Er sorgt für Sicherheit, trifft Sonder- und Betreuungsregelungen, richtet Arbeitsschichten und Home-Offices ein, schließt und öffnet IKK-Geschäftsräume je nach Lage.

UNKLARE AUSGABENSITUATION

Wichtig für das Unternehmen IKK BB ist jedoch eine weitere interne Arbeitsgruppe: Fachleute der zentralen Leistungs- und damit auch Ausgabenbereiche der IKK BB sammeln und berechnen engmaschig Fakten und Finanzdaten und bewerten so die aufgrund fehlender Zahlen oft noch unübersichtliche Finanzierungssituation. Ein Beispiel: Krankenhäuser bekommen derzeit für jedes Bett, das wegen verschobener planbarer OPs freibleibt, täglich 560 Euro von den Krankenkassen. Hier steigen also die Ausgaben unerwartet. Gleichzeitig gingen in den vergangenen Wochen aber aus Sorge vor Ansteckung
weniger Versicherte in die Arztpraxen. Die Kosten für Arztbesuche dürften also kurzfristig gesunken sein – auch, wenn später mit einem Nachholeffekt zu rechnen ist.

 

 

Uwe Ledwig, IKK-Verwaltungsratsvorsitzender der Versichertenseite stellt klar: „Das Virus kostet viel – in jeder Hinsicht. Als Krankenkassen übernehmen wir selbstverständlich unseren Teil der Kosten, um das Gesundheitssystem akut zu stützen und es als Konsequenz aus der Krise in zentralen Bereichen für die Zukunft sinnvoll auszubauen.Wir erwarten jedoch, dass

die Lasten nicht nur die Beitragszahlenden tragen. Das verfügbare Einkommen der Beitragszahlenden ist nach der Krise wichtig für die Stabilisierung des Konsums. Die entstehenden Kosten müssen gesellschaftlich gerecht auf breite Schultern verteilt werden. Wir rechnen daher fest mit einem angemessenen Anteil an Steuermitteln, die stützend einfließen.“

FEHLENDE EINNAHMEN

Schwer zu kalkulieren ist bei Trägern der Sozialversicherung auch die Einnahmenseite: Der steil ansteigenden Infektionskurve folgte der wirtschaftliche und soziale „Lock-Down“. Konjunktur und Konsum kamen fast komplett zum Erliegen, das vorläufige „Aus“ für Teile der Wirtschaft. Viele Unternehmen schlossen ganz oder gingen in Kurzarbeit. Arbeitgeber mussten ihre Sozialversicherungsbeiträge stunden lassen. Allein bei der IKK BB gingen bislang rund 3.500 Anträge ein. Das sind Einnahmen, mit denen der Gesundheitsfonds und die Krankenkassen rechnen, die aber momentan fehlen.

MaßnahmeKostenZeitraum*Gesamtkosten
GKV/PKV
Kosten IKK BB
Zuschlag persönliche Schutzausrüstung im KH50 Euro/
KH-Fall
01.04. –
30.06.2020
ca. 220 Mio. Euro844.950 Euro
Möglichkeit, stationäre KH-Fälle in Reha-Einrichtungen zu versorgenPauschalbetragbis 30.09.2020             –945.378 Euro
Erhöhung des vorläufigen Pflegeentgeltwertesum 38 Euro auf
185 Euro/Tag
 3,3 Mrd. Euro11,88 Mio. Euro

 

*kann um 6 Monate verlängert werden