Gesundheitspolitik

DAS ERWARTET DIE VERSICHERTENGEMEINSCHAFT VON DER NEUEN BUNDESREGIERUNG

Wolf Zimmermann, Jahrgang 1939, Brunnenbaumeister im Ruhestand aus Neuruppin, kennt sich aus mit
Wahlen und Regierungsbildungen. Als ordentliches Mitglied und Vertreter der Arbeitgeberseite im IKK BB-Verwaltungsrat seit der ersten Amtsperiode 1999* hat er auch die aktuelle Bundestagswahl aufmerksam beobachtet.
Er hat – stellvertretend für die IKK BB-Selbstverwaltung - den unmittelbaren, regionalen Bedarf der Menschen im Blick. Hier einige gesundheitspolitische Forderungen der IKK BB im Namen der Versichertengemeinschaft an die künftige Bundesregierung.

*WOLF ZIMMERMANN ist auch alternierender Vorsitzender des Grundsatzausschusses, Mitglied der Widerspruchsstelle, stv. Mitglied des Finanzausschusses, ordentliches Mitglied des System- und Digitalisierungsausschusses der IKK BB.
Bildnachweis: IKKBB

VERSORGUNG DER MENSCHEN IM BLICK

Wie wird die deutsche Gesundheitslandschaft am Ende dieser Legislatur, im Jahr 2025, aussehen? Werden wir dann in ganz Deutschland eine qualitativ hochwertige und finanzierbare Gesundheitsversorgung haben? Werfen wir einen Blick auf die ganz normale Familie Lehmann: Da sind Mutter Sabine, Vater Mattias, ihre Kinder und die Großeltern. Alle drei Generationen leben auf einem Bauernhof in der Uckermark. Werden die Kinder krank, muss Sabine mit ihnen eine recht weite Strecke zum Kinderarzt fahren. Das sind sie gewöhnt. Alle anderen in der Familie gehen schon immer zu ihrer vertrauten Hausärztin, die über die Jahre so manche Erkrankung schnell einordnen kann. Manchmal benötigt Familie Lehmann zusätzlich die Kompetenz von Fachärzten, per Überweisung von der langjährigen Hausärztin. Soweit, so gut!
Dennoch tauchen hier gleich mehrere Herausforderungen auf: Die Hausärztin ist bereits im Rentenalter und möchte in den verdienten Ruhestand. Ihr Problem: Sie sucht bereits seit einiger Zeit eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für die Praxis, um den Patientenstamm weiter gut betreut und zuverlässig
versorgt zu wissen – bisher erfolglos! Auch die Terminfindung zum Facharzt erweist sich als schwierig, da viele Fachärzte nicht in der Umgebung praktizieren und auf lange Zeit ausgebucht sind. Wartezeiten auf einen Behandlungstermin von mehr als einem Vierteljahr sind daher keine Seltenheit. Das ist die
reale Situation, in der leider auch die Regelungen des Termin-Service-Gesetzes (TSVG) wenig helfen, mit denen der scheidende Gesundheitsminister Spahn den gesetzlich Versicherten schneller zu einem Facharzttermin verhelfen wollte. Im Klartext bedeutet es vielmehr – „2W“ – lange Wartezeiten PLUS lange Wege!

DAS BRAUCHT DIE REGION

Was also kann aus regionaler Sicht helfen - und sollte von der neuen Bundesregierung, speziell im Gesundheitsressort angegangen werden?

„Ambulant vor stationär!“ heißt weiter die Devise! Denn nur gute ärztliche Versorgung vor Ort erspart Versicherten weite Wege ins Krankenhaus; der Patient bleibt in der vertrauten Umgebung.

Die Patientenversorgung muss also verbessert werden, indem ambulante Versorgungslücken geschlossen werden. Dazu bedarf es weiterer Anreize für junge Haus- und Fachärzte, sich im ländlichen Raum niederzulassen. Da, wo dennoch Lücken in der ambulanten Versorgung existieren, müssen Krankenhäuser fachärztlichen Bedarf im ambulanten Bereich mit abdecken.

Corona hat bei aller Dramatik auch gezeigt, was möglich ist – zum Wohle der Patientinnen und Patienten. Videosprechstunden ersparen Ärzten und Patienten lange Fahrtwege.

Der Ausbau von Telekonsilen ist wichtig, damit Experten sich über das individuelle Krankheitsbild eines Patienten austauschen und die bestmögliche Behandlung beraten können. So gelingt eine exzellente
medizinische Versorgung, auch weit weg von Ballungszentren. Allerdings nur bei flächendeckender Internetversorgung.

Die elektronische Patientenakte – ePA – muss weiterentwickelt werden. Damit Sie, liebe Versicherte, alle Informationen – Ihre Gesundheit betreffend – gebündelt an einem Ort hinterlegt haben und selbst entscheiden können, welche Informationen welcher Ihrer behandelnden Ärzte wann einsehen kann. Auch so lassen sich unnötige Untersuchungen vermeiden.

ENTWICKLUNGEN AUF DEN PRÜFSTAND

Neben diesen Belangen fordert die Innungskrankenkasse Brandenburg und Berlin von der Politik zudem einheitliche Maßstäbe für die Bewertung der Qualität der ambulanten und der stationären Versorgung. Einheitliche Regelungen brauchen wir auch bezüglich der Arbeit der Krankenkassen, im Interesse der
Versicherten: Damit Sie, liebe Versicherte, es schwarz auf weiß haben, dass Sie z.B. bei der IKK BB gut aufgehoben sind! Und nicht zuletzt gehören alle coronabedingten Gesetze und Verordnungen auf den Prüfstand, denn das, was in einer Pandemie sicher dringend notwendig war, muss es für die Zukunft nicht
zwingend auch sein.

GESICHERTE SOLIDARGEMEINSCHAFT

Die Innungskrankenkasse Brandenburg und Berlin fordert die Bundesregierung und die Mitglieder des Deutschen Bundestages auf, kommende Regelungen so zu gestalten, dass es keine Leistungskürzungen für unsere Versicherten gibt. Der Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung sollte weitmöglich
stabil bleiben, so dass die Sozialabgaben dauerhaft unter der Grenze von 40 Prozent gehalten werden. Es ist unerlässlich, darauf zu achten, dass zukünftig beschlossene gesetzliche Änderungen auch finanzierbar bleiben. Versicherungsfremde Leistungen hingegen, wie z.B. Mutterschaftsgeld, müssen aus Steuermitteln finanziert werden - und nicht mit den Beiträgen der Versicherten.

All das sorgt mit dafür, dass Familie Lehmann auch in Zukunft eine zuverlässige, qualitativ hochwertige und patientennahe Rundum-Versorgung erhält, mit Sozialversicherungsbeiträgen, die unter der magischen Grenze von 40 Prozent stabil bleiben.