Hitze, Dürre und Trockenheit So schützen Sie sich bei Hitze

Sommer, Sonne, Hitzegefahr: Durch den Klimawandel können lange Hitzewellen im Sommer mit Temperaturen über 30 Grad Celsius auch bei uns zur Norm werden. Flirrender Asphalt, steigende Ozonwerte und verbrannte Erde zwingen unser körpereigenes Kraftwerk zu Höchstleistungen. Wir klären Sie über die Gesundheitsrisiken auf und geben Ihnen wertvolle Tipps, wie Sie Ihren Körper schützen und Ihre Energie bei Hitzebelastung optimal einsetzen.

Hitzewellen und ihre Folgen nehmen zu

Das Jahr 2023 war laut dem EU-Klimabericht und dem Deutschen Wetterdienst (DWD) eines der heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. Die globalen Durchschnittswerte lagen um 1,45 Grad Celsius über dem Mittel der Jahre 1850 bis 1900. Besonders betroffen war Berlin als das wärmste Bundesland, während Brandenburg im Sommer mit extrem niedrigen Regenmengen zu kämpfen hatte.

Nicht ohne Folgen für die Gesundheit: Immer mehr Menschen klagen über Kreislaufprobleme oder sterben sogar an den Auswirkungen extremer Hitze. So stieg die Zahl der Hitzetoten in den letzten 20 Jahren um rund 30 Prozent (1):

  • In Berlin wurden im Jahr 2022 416 Hitzetote verzeichnet, viermal so viele wie im Durchschnitt der Jahre 1985 bis 2021.
  • In Brandenburg waren es im gleichen Jahr 219 Hitzetote, ebenfalls viermal so viele wie im Durchschnitt.

Welche Auswirkungen kann Hitze auf den Körper haben?

Sonnenschein macht gute Laune, doch Hitzeperioden können ernsthafte Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Das Gehirn und die Organe benötigen eine stabile Körpertemperatur, um effektiv zu arbeiten. Unser Körper ist ständig damit beschäftigt, diese Temperatur zu regulieren: Während er sich bei Kälte zum Beispiel durch Zittern erwärmt, kühlt er sich bei Hitze beispielsweise durch Schwitzen ab. Extreme Hitze erschwert es dem Körper, sich zu kühlen. Hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt dies, da sie die Wärmeabgabe beeinträchtigt.  

Insbesondere Kinder, Menschen mit Vorerkrankungen und ältere Personen können von den typischen Folgen der Hitze betroffen sein.

 

Wenn Sie während langer Hitzephasen nicht ausreichend trinken, drohen Austrocknung und der Verlust wichtiger Mineralstoffe. Insbesondere bei Kleinkindern und älteren Menschen kann ein Mangel an Flüssigkeit, Mineralien und Salzen lebensbedrohlich sein.

Hohe Temperaturen rauben dem Körper nicht nur am Tage Energie und machen ihn schlapp und müde. Auch nachts fällt es dem Organismus schwer, auf die notwendige Kerntemperatur – die rund ein Grad unter der Körpertemperatur tagsüber liegt – abzukühlen. Dies kann zu Schlafstörungen wie oberflächlichem Schlaf und dadurch zu zunehmender Erschöpfung und einer geschwächten Herz-Kreislauf-Funktion führen. Die mangelnde Konzentration trägt wiederum zu einem erhöhten Unfallrisiko bei.

Ein hitzebedingter Erschöpfungszustand entsteht, wenn der Körper unter Flüssigkeits- und Elektrolytmangel leidet. In solchen Fällen können Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindelanfälle auftreten. Das Gesicht ist zunächst gerötet und wird im Verlauf eines solchen Schwächeanfalls zunehmend blass. In diesem Fall sollten Sie Schatten aufsuchen und sofort Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

Bei hohen Temperaturen versucht der Körper, sich über die Haut abzukühlen, indem er die Blutgefäße erweitert. Dadurch fällt in einigen Fällen der Blutdruck plötzlich ab, was zu Schwindel, Ohnmacht und Bewusstlosigkeit führen kann. Bei einem hitzebedingten Kollaps sollten Sie die Füße hochlegen und für angemessene Belüftung sorgen.

Anstrengende körperliche Arbeit oder übermäßige sportliche Aktivitäten können bei großer Hitze das bereits belastete Herz-Kreislauf-System zusätzlich gefährden. Wenn der Körper überhitzt ist und zu wenig Flüssigkeit hat, kann die Körpertemperatur rasch über die normalen 36 bis 37 Grad Celsius steigen. Ab etwa 40 Grad setzt ein Zustand ein, der unter anderem mit folgenden Symptomen einhergeht:

  • Übelkeit und Erbrechen, 
  • eingeschränktes Bewusstsein,
  • fehlende Reaktion auf Ansprache und
  • schließlich Bewusstlosigkeit.

Dabei handelt es sich um einen Hitzeschlag. In diesem Fall sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Wenn die Temperaturen steigen, klagen viele Menschen über Schmerzen, ein unangenehmes Druck- und Spannungsgefühl in den Beinen, im Volksmund auch als "schwere Beine" bekannt. Darüber hinaus können Schwellungen auftreten. Dies ist für Betroffene belastend und kann ernsthafte Einschränkungen mit sich bringen. Der Grund dafür liegt meist darin, dass die Funktion der Venenpumpe bei Hitze gestört ist.

Normalerweise unterstützt die Venenpumpe die Venen in den Beinen, indem Sie dafür sorgt, dass der Körper das Blut entgegen der Schwerkraft zurück zum Herzen pumpt. Ist dieser Mechanismus beeinträchtigt, kann das Blut nicht mehr effizient zirkulieren und es entsteht ein Stau in den Venen. Dies wiederum begünstigt Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme) und Krampfadern. Beachten Sie also am besten die oben genannten Tipps und sorgen Sie vor.

10 Tipps gegen Hitze

Wie können Sie also den Gesundheitsrisiken durch Hitze entgegenwirken? Wer für schnelle Abkühlung sorgen möchte, nutzt gerne die Klimaanlage und elektrische Lüfter. Doch Achtung: Künstlich herunter gekühlte Luft und Gebläse direkt auf den Körper gerichtet fördern Infekte und schwächen das Immunsystem. Greifen Sie stattdessen auf natürlich Maßnahmen zurück, die schnell und einfach umgesetzt und noch dazu gesund sind:

1. Den Tagesablauf den Temperaturen anpassen

Statt unnötiger Bewegung während der Hitzezeit – insbesondere vom späten Vormittag bis zum Abend – sollten Sie sich wie am Mittelmeer verhalten: Legen Sie mittags eine bewusste Ruhepause im Schatten ein und entlasten Sie Ihre Venen, indem Sie Ihre Beine etwas höher legen. Ein kurzes Nickerchen zwischendurch kann ebenfalls erholsam sein.

2. Viel trinken – am besten selbstgemixte und temperierte Getränke

Anstatt in Getränkemärkten anzustehen und schwere Kisten zu schleppen, sollten Sie zu Hause Ihre eigenen Getränke zubereiten. Brühen Sie sich beispielsweise Früchte- oder Pfefferminztee auf und füllen Sie ihn in gläserne Karaffen. Fügen Sie etwas frische Minze, eine Limettenscheibe oder ein Stückchen Ingwer hinzu und lassen Sie das Getränk abkühlen. So erhalten Sie ein günstiges, leckeres und erfrischendes Sommergetränk. Sie möchten gleich loslegen oder sich inspirieren lassen? Dann laden Sie sich jetzt unsere gesunden und leckeren Rezepte für einen selbstgemachten Zitronen-(Eis)Tee und Basilikum-Zitronendrink mit Gurke herunter:

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Auch wenn es verlockend ist: Vermeiden Sie es zudem, Flüssigkeiten eisgekühlt zu sich zu nehmen. Unser Körper benötigt nach jedem Kaltgetränk zusätzliche Energie, um seine Betriebstemperatur wiederherzustellen. Nehmen Sie Getränke stattdessen temperiert – also lauwarm – zu sich.

Dies gilt übrigens auch für die Dusche: Drehen Sie das Wasser lauwarm auf, um den Körper nicht zu schocken.

3. Zerstäuber zweckentfremden und Fächer nutzen

Die Haut mit ihren Poren und Schweißdrüsen ist für den Temperaturausgleich des Körpers zuständig. Sie können die natürliche Klimatisierung unterstützen, indem Sie eine kleine Zerstäuberflasche mit frischem Wasser füllen und zwischendurch einen kurzen Sprühnebel auf Ihr Gesicht, Dekolleté, Ihre Oberarme oder Waden geben. Dies bewirkt zusammen mit einem Lufthauch eine angenehme Abkühlung. Alternativ können Sie auch einen Fächer verwenden, um für eine angenehme Brise zu sorgen.

4. Fettarm, leicht und mineralstoffreich ernähren

Bei Hitze trocknet jeder Schweißausbruch den Körper aus und schwemmt wichtige Mineralien aus. Das kann dazu führen, dass Sie sich schlapp und ausgelaugt fühlen. Gleichzeitig nimmt der Appetit ab. Um diesen Kreislauf zu unterbrechen, entscheiden Sie sich am besten für eine leichte, fettarme und mineralstoffreiche Ernährung, wie sie in Südeuropa üblich ist. Eingelegte Oliven, marinierte Sardellen, getrocknete Tomaten, Salzgebäck, Obst, Gemüse und Salat sind eine gute Wahl. Sie versorgen den Körper mit Flüssigkeit, Mineralien und wertvollen Spurenelementen.

5. Den Körper auf Hitze vorbereiten

Je besser das Herz-Kreislauf-System trainiert ist, desto besser kann der Organismus mit der Hitze umgehen. Regelmäßige, zügige Spaziergänge von mindestens 30 Minuten oder regelmäßige Saunabesuche das ganze Jahr über bereiten den Körper auf hohe Temperaturen vor.

6. Hitze im Auto beachten

Selbst bei kurzen Abwesenheiten sollten Sie Kinder oder Haustiere niemals allein im Auto lassen, wenn es draußen warm ist. Die Temperaturen im Inneren können extrem schnell ansteigen, sogar bis zu 70 Grad Celsius – das entspricht einer Niedrigtemperatur-Sauna. Und das auch bei geöffnetem Fenster.

Forscher haben festgestellt, dass bei einer Außentemperatur von 30 Grad Celsius bereits nach 30 Minuten im Auto lebensgefährliche Innenraumtemperaturen von 46 Grad Celsius herrschen können. Bei direkter Sonneneinstrahlung steigt die Temperatur jede Minute um ca. einen Grad Celsius.

Wenn Sie bei Hitze Kinder oder Haustiere allein im Auto sehen, zögern Sie nicht, zu handeln. Wenn die Fahrzeugbesitzer nicht zeitnah erreichbar sind, scheuen Sie sich nicht, die Polizei oder Feuerwehr zu kontaktieren. Ihre schnelle Reaktion kann Leben retten.

Wenn Sie allein unterwegs sind, parken Sie ihr Auto für ein angenehmes Klima im Schatten oder nutzen Sie Sonnenschutzfolien für die Fenster.

7. Leichte Kleidung tragen

Entscheiden Sie sich für lockere, helle Kleidung aus atmungsaktiven Materialien wie Baumwolle oder Leinen. Vermeiden Sie dunkle Farben, da sie Wärme absorbieren. Auch auf synthetische Kleidung sollten Sie verzichten, da sie zusätzlich schweißtreibend wirkt.

Vergessen Sie nicht neben Sonnencreme auch Kleidung als Sonnenschutz zu nutzen und tragen Sie zum Beispiel eine Kopfbedeckung und Sonnenbrille.

8. Raumtemperaturen niedrig halten

Vermeiden Sie während der heißesten Stunden des Tages die Nutzung von Geräten, die Wärme erzeugen wie beispielsweise Herde, Backöfen oder Trockner. Dies hilft dabei, die Innentemperaturen niedrig zu halten.

Lüften Sie in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Öffnen Sie Fenster und Türen einige Minuten weit, um kühlere Luft hereinzulassen (Stoßlüften).

Außerdem sollten Sie sicherstellen, dass das Haus gut isoliert ist, um die Wärme draußen zu halten. Dies kann dabei helfen, die Notwendigkeit von Klimaanlagen oder Heizgeräten zu reduzieren. Im Idealfall halten Sie die Raumtemperaturen unter 26 Grad Celsius.

9. Möglichst kühl schlafen

Versuchen Sie, insbesondere das Schlafzimmer kühl zu halten. Gelingt Ihnen dies nicht, richten Sie sich für die Zeit von Hitzewellen einen Schlafplatz im kühlsten Raum der Wohnung ein. Verwenden Sie leichte Bettwäsche wie ein Leinentuch oder ein nur ein Baumwolllaken anstelle einer Bettdecke.

Wenn Sie die Hitze wach hält, legen Sie sich eine Wärmflasche mit kaltem Wasser in das Bett. Auch Kühle Tücher auf Stirn, Unterschenkeln oder Unterarmen entziehen dem Körper Wärme.

10. Arzneimittel prüfen

Hitze kann sich negativ auf die Verträglichkeit von Medikamenten wie Entwässerungs- oder Beruhigungsmittel auswirken. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt am besten schon vor dem Sommer / den Hitzewellen, ob das konkret auf die Arzneimittel zutrifft, die Sie aktuell einnehmen. Setzen Sie Medikamente nicht eigenständig ab und verändern Sie nicht die Dosierung ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt.

Achten Sie auch darauf, Medikamente ordnungsgemäß zu lagern. Durch hohe Temperaturen können sie ihre Wirksamkeit verlieren. Hinweise dazu finden Sie in der jeweiligen Packungsbeilage.

 

Achten Sie auf Anzeichen von Hitzestress

Achten Sie auf Symptome von Hitzestress wie Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen oder Übelkeit. Wenn Sie solche Symptome bemerken, suchen Sie sofort Schatten und trinken Sie Wasser, um sich abzukühlen. Bei schweren Symptomen suchen Sie unverzüglich medizinische Hilfe. Ein Hitzeschlag ist ein Notfall.

Hinweise der Bundesregierung zum Hitzeschutz

Plakat Hitzeschutz

Weitere Informationen liefert die Kampagne "Bärenhitze° - Berlin bleibt cool!"

Was für eine „Bärenhitze° - Berlin bleibt cool!˚": So lautet der Name der regionalen Hitzeschutzkampagne, die vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) Berlin und der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, in Kooperation mit dem Aktionsbündnis Hitzeschutz Berlin ins Leben gerufen wurde. Auf der Kampagnen-Website finden Sie weitere Informationsmaterialien und Tipps in verschiedenen Sprachen, wie Sie sich vor extremer Hitze schützen können.

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