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Magersucht: der zwanghafte Drang zu hungern 

Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine psychosomatische Erkrankung, deren Symptome sich vor dem Hintergrund einer seelischen Störung entwickeln. Typisch für den Krankheitsverlauf ist der Unwille der Patienten, ein normales Körpergewicht zu halten, wobei die ablehnende Haltung gegenüber der Nahrungsaufnahme zwanghafte Züge annimmt. Dabei zeigt sich vor allem

  • eine große Angst vor möglicher Gewichtszunahme,
  • eine Störung der Selbstwahrnehmung in Bezug auf Figur und Körperumfang,
  • eine Fixierung auf Maßnahmen zur Gewichtsreduktion, die nach und nach den Alltag vollständig bestimmt und das Sozialverhalten der Betroffenen zunehmend beeinträchtigt.

Patienten, die an Magersucht leiden, sind stets untergewichtig. Das Körpergewicht ist folglich ein entscheidendes Kriterium für die Diagnose der Erkrankung. Die Bestimmung der individuellen Grenze zwischen Normal- und Untergewicht erfolgt anhand des Body-Mass-Index (BMI) mit der Formel:

BMI = Körpergewicht (kg) / (Körpergröße (m) * Körpergröße (m))

Der BMI-Grenzwert für das Normalgewicht wird altersabhängig definiert und steigt mit zunehmendem Alter leicht an.

Häufigkeit und Verbreitung der Magersucht

Magersucht ist im Wesentlichen ein Phänomen industrialisierter und im Überfluss lebender Gesellschaften, in denen nach menschlichem Ermessen niemand mehr hungern muss. Obwohl grundsätzlich beide Geschlechter betroffen sind, tritt die Erkrankung mit einem Anteil von 80 Prozent in der überwiegenden Zahl der Fälle bei jungen Frauen auf. Das in westlichen Kulturen medial propagierte Schönheitsideal der Frau trägt wesentlich dazu bei, dass weltweit – mit steigender Tendenz – etwa 0,5 bis 1 Prozent der Frauen bewusst hungern. Die Forschung geht von einer wesentlich höheren Dunkelziffer aus, wenn Grenzfälle mit nicht vollständig ausgeprägten Merkmalen hinzugerechnet werden. Die Erkrankung beginnt meist in der Zeit der Adoleszenz zwischen dem 14. und 18. Lebensjahr und kann die Folge eines seelisch belastenden Ereignis im engeren sozialen Umfeld sein.

Anzeichen einer Magersucht und Krankheitsverlauf

Die Furcht vor dem Dickwerden und die Bekämpfung überflüssiger Pfunde mit sportlicher Aktivität und angemessener Ernährung gehört zu den kulturell anerkannten Verhaltensmustern. Solange Betroffene die Erfolge eines disziplinierten Lebens mit Freude und Genugtuung genießen können, überwiegen die positiven Aspekte der Gewichtsreduktion. Die Situation entgleist, wenn trotz fallender Pfunde die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper bleibt und selbst eine schlanke Figur der eigenen Vorstellung von Schönheit nicht genügt. Zur bewussten Nahrungsverweigerung kommt eine zwanghafte Fixierung auf das Essen bzw. Hungern hinzu. Neben dem Nicht-Essen müssen Maßnahmen wie willkürliches Erbrechen sowie der Missbrauch von Medikamenten mit abführender, entwässernder und appetitzügelnder Wirkung herhalten, um den kontinuierlichen Gewichtsverlust zu erzwingen. In vielen Fällen diktiert ein Kontrollzwang den Alltag und Betroffene wiegen, messen und bespiegeln sich unablässig, um die Erfolge ihres Tuns zu überwachen.

Folgen der Magersucht und Symptome im fortgeschrittenen Stadium

Magersucht führt im fortschreitenden Krankheitsverlauf zu ernsten körperlichen Beeinträchtigungen und verläuft im schlimmsten Falle tödlich. Zu den ersten Folgen des exzessiven Hungerns zählen depressive Verstimmungen und hormonelle Störungen mit einem Ausbleiben der Regelblutung. Hinzu kommen Bauchschmerzen, Verdauungsbeschwerden und Kälteunverträglichkeit, später auch Herz-Kreislauf-Schäden, punktförmige Hautblutungen an Armen und Beinen, zu geringe Körpertemperatur, fahle, eingefallene Haut bis hin zur Auszehrung und vollständigem körperlichen Zerfall. Die Anorexie ist ein selbstschädigendes Verhalten wider besseren Wissens – das macht die Behandlung schwierig und verlangt ärztliche Unterstützung.