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Wenn die Nahrungsaufnahme zur Attacke gegen den Körper wird: Binge-Eating-Disorder 

„Binge“ ist das englische Wort für „Prasserei“ oder „Gelage“. Der Name dieser krankhaften Sonderform einer Essstörung deutet darauf hin, dass es um große Mengen geht, die Betroffene in kurzer Zeit regelrecht verschlingen. Anders als bei der Bulimie, wo die – meist weiblichen – Betroffenen eine Fressattacke durch anschließendes Erbrechen „rückgängig“ machen, behalten Binge Eater die Nahrung im Körper. Die Vermutung, dass Binge Eater daher an deutlichem Übergewicht leiden, trifft allerdings nur eingeschränkt zu. Es gibt normalgewichtige Binge Eater. Denn zwischen zwei oder drei Heißhungerattacken pro Woche liegen mitunter Phasen der vollkommenen Abstinenz.

Welche Symptome sprechen für eine Binge-Eating-Disorder?

Das periodische Auftreten von unkontrollierten Heißhungerattacken, bei denen Betroffene ein Vielfaches des täglichen Kalorienbedarfs an Nahrung in einer kurzen Zeit aufnehmen, ist unter Umständen ein erster Hinweis auf Binge Eating. Dazu gesellen sich als weitere Kriterien das hastige Verschlingen der Nahrung, was mit anschließendem Völlegefühl und Unwohlsein einhergeht.

Wie bei anderen Essstörungen ist das Essen bei Essgestörten nicht mit Genuss und Gesundheit, sondern mit zwanghaftem Verhalten assoziiert. Anders als beim zwanghaften Vermeiden von Nahrung, wie es bei der Anorexie (Magersucht) der Fall ist, besteht bei Binge Eatern eine zwanghafte Neigung zu großen Mengen. Bei normalem Essverhalten besteht in der Regel eine Balance zwischen Kalorienaufnahme und Energiebedarf sowie zwischen Hunger- und Sättigungsgefühl. Speziell bei der Binge-Eating-Disorder fehlt diese Balance vollkommen.

Fehlende Steuerung von Hunger und Sättigung

Die Essattacken sind in der Regel nicht durch natürliche Hungergefühle ausgelöst und nicht durch Sättigungsgefühle zu stoppen. Die Nahrungsmenge liegt ebenso über einem Vielfachen des täglichen Energiebedarfs. Durch die Hastigkeit, in der sich solche Fressorgien ereignen, fehlt die Vorverdauung durch ordentliches Kauen. Der Verdauungsapparat erfährt hohe Strapazen. Nicht selten enden diese Attacken mit Ohnmachtsgefühlen und depressiven Verstimmungen. Häufig essen Binge Eater im Anschluss ein paar Tage hintereinander überhaupt nichts, bis der nächste „Binge“ stattfindet.

Welche gesundheitlichen Folgen kann eine Binge-Eating-Störung haben?

Als Spätfolgen einer Binge-Eating-Disorder sind zunächst alle Krankheitsbilder zu nennen, die aus der Adipositas entstehen, das heißt krankhaftem Übergewicht. Neben Diabetes zählen dazu alle Formen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und entsprechend orthopädische Probleme. Neben diesen Spätfolgen treten bei Binge Eatern in unmittelbarer Weise ernstzunehmende seelische Probleme auf.

Bei Anorektikern fehlt das Bewusstsein dafür, dass ihr übertriebenes Schlankheitsbewusstsein zu einer deutlich sichtbaren Magersucht geführt hat. Die Magersucht gilt unter den Essstörungen deshalb als die am schwierigsten therapierbare. Im Vergleich zur Magersucht ist das Binge-Eating mit weitaus höheren Aussichten auf vollständige Heilung verbunden. Binge Eater erleben ihr Verhalten als falsch und belastend – und entwickeln Schamgefühle sowie die damit verbundene Neigung zur Selbstbestrafung, zu sozialer Isolation und Depression. Psychotherapeuten und Verhaltenstherapeuten finden bei Binge Eatern Erfolg versprechende Ansätze, um den leidenden Patienten zu einer deutlichen Verbesserung ihrer Situation zu verhelfen. Denn Binge Eater leiden weniger an einem generell gestörten Verhältnis zu Nahrungsmitteln oder zu ihrem Körper, als an tiefer sitzenden psychischen Problemen – der Ursache für den periodischen Kontrollverlust.