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Essstörungen: stiller Hilferuf der Seele 

Essstörungen gehören zur Gruppe der Verhaltensauffälligkeiten, sind Betroffenen im Alltag jedoch nicht immer anzusehen. Sie rücken die Beschäftigung mit dem Essen in den Mittelpunkt des Lebens. Die problematische Haltung zur Ernährung beeinflusst den Tagesablauf, soziale Kontakte sowie private und berufliche Entscheidungen. Die Ursachen für die Fixierung auf das Essen oder Nicht-Essen sind vielfältig: Unausgesprochene Ängste und Unsicherheiten, verdrängte Bedürfnisse und Gefühle oder eine Protest- und Abwehrhaltung finden ihren Ausdruck in der andauernden Beschäftigung mit dem eigenen Essverhalten und mit dessen Wirkungen auf den Körper. Eine ebenso wichtige wie bedenkliche Rolle für den Verlust eines natürlichen und entspannten Körpergefühls spielen zweifelhafte Schönheitsideale und ihre offensive Verbreitung auf allen verfügbaren medialen Kanälen.

Auffälliges Essverhalten: nicht immer eine Essstörung

Nicht jeder Mensch, dessen Essgewohnheiten im Vergleich zum Durchschnitt auffallen, leidet an einer Essstörung. Ein generell oder zeitweise gesteigerter Appetit oder – im Gegensatz – eine gewisse Lustlosigkeit und ein wählerisches Verhalten bei Tisch haben für sich genommen noch keinen Krankheitswert. Erst vor dem Hintergrund einer seelischen Belastung, wenn also die dominante Rolle von Essen oder Hungern tieferliegende psychische Probleme verdeckt, entwickelt sich eine Essstörung.

Die Medizin unterscheidet drei Grundformen der Erkrankung: Bulimie, Magersucht und Binge-Eating-Störung. Daneben gibt es eine Vielzahl von Mischformen, deren Merkmale sich keiner der Hauptgruppen eindeutig zuordnen lassen. Der Krankheitsverlauf ist gleichwohl in jedem Fall gesundheitlich bedenklich und belastet das Leben der Betroffenen und ihrer Familien entscheidend. Essstörungen treten insbesondere unter Heranwachsenden vergleichsweise häufig auf. Der vom Robert-Koch-Institut als Langzeitstudie durchgeführte Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) konnte zeigen, dass in der Altersgruppe der Elf- bis Siebzehnjährigen gut 20 Prozent Anzeichen einer Essstörung zeigen. Eine aufmerksame Begleitung Jugendlicher durch die Familie und das engere soziale Umfeld hilft, Probleme rechtzeitig aufzudecken und einer gesundheitsschädlichen Entwicklung vorzubeugen.

Bulimie, Magersucht und Binge-Eating: Essstörungen haben viele Gesichter

Unter den Erscheinungsformen einer Essstörung zeigt die Magersucht (Anorexia nervosa) nach außen hin die deutlichsten Krankheitszeichen. Obwohl sie bereits deutlich erkennbar an starkem Untergewicht leiden, empfinden sich Betroffene immer noch als zu dick und hungern weiter. Nahrungsverweigerung, übertriebene sportliche Aktivitäten, Abführmittel, Appetitzügler, aber auch willentlich herbeigeführtes Erbrechen sollen helfen, das Gewicht weiter zu reduzieren.

Im Gegensatz zur permanenten Hungerkur bei Magersucht werden die Essattacken mit nachfolgendem Erbrechen bei Bulimie (Bulimia nervosa) nicht immer von offensichtlichen Krankheitsmerkmalen begleitet. Oft verursacht das gestörte Essverhalten weder Über-, noch Untergewicht. So bleibt dem Umfeld lange Zeit verborgen, dass Betroffene immer wieder unkontrolliert große Mengen essen und anschließend versuchen, das Übel „rückgängig“ zu machen, indem sie selbst Erbrechen auslösen. Zwischen den Anfällen versuchen Betroffene außerdem, durch Diäten oder Abführmittelmissbrauch eine Gewichtszunahme zu verhindern.

Eine weitere Erkrankungsform ist die Binge-Eating-Störung (Binge Eating Disorder, Binge = Gelage, Prasserei). Kennzeichen der Erkrankung sind wiederkehrende Essattacken mit maßloser, unkontrollierter Nahrungsaufnahme, die allerdings – anders als bei der Bulimie – nicht durch Gegenmaßnahmen wie Erbrechen oder Diät kompensiert wird. Die Folge ist meist – aber nicht in jedem Fall – deutliches Übergewicht.